Die Geschichte des Radio Uno und Willi Weber
Die Vorgeschichte
Wunschsendungen und "Tanzmusik auf Bestellung", das waren bis Mitte der 70-er Jahre im ORF Landesstudio Kärnten die einzigen Sendungen, für die Musikwünsche deponieren werden konnten. Die Hörer mussten dann wochenlang darauf warten und auch noch dafür zahlen. Um 22 Uhr war mit Erklingen der Kärntner Landeshymne offizieller Sendeschluss.
WILLI WEBER
Der Weg zum Radiomacher
Die Begeisterung für Musik war schon immer vorhanden. Schallplatten sammeln, kleinere Gruppen mit Musik unterhalten und irgendwann kam auch der Traum, einmal Radio zu machen - Musik für viele Hörer... Mit Gratis-Wunschsendungen, lokalen Sportübertragungen etc.
1976 fällt in Italien das Monopol. Der Zugang zum Rundfunkbetrieb war jedem italienischen Staatsbürger unbürokratisch, ohne politische Protektion möglich. Wer Erfolg hatte überlebte, Glücksritter oder politisch motivierte Sender waren zum Scheitern verurteilt.
Kontakte zu Privatstationen in Tarvis wurden rasch intensiviert, d.h. erstmalig konnte aktiv an einem Radioprogamm mitgestaltet werden. Deutschsprachige Gratis-Wunschsendungen, verbunden mit Billigst-Werbung, wurden zum Publikumshit. Nach und nach kamen weitere Sendungen, wie kleine Sportübertragungen via Telefon (Fußballspiele, Schirennen, Rallyes) und Eishockey-Live dazu. Neu war vor allem, dass sich kleine Gewerbetreibende plötzlich Radiowerbung leisten konnten. Für Werbezeiten gab es kein Limit. Je mehr, je länger, desto besser. Dementsprechend groß war auch das Interesse und der finanzielle Erfolg. Jeder wollte dabei sein.
Von Jänner 1982 bis Dezember 1984 alleiniger Pächter und Betreiber von Radio Valcanale mit eigenem Werbebüro in Klagenfurt. Im Sommer 1984 Baubeginn von RADIO UNO. Ohne politische Einflussnahme waren anfängliche Hindernisse (erforderliche Genehmigungen für Bau auf Nato-Schutzgebiet, Umweltschützer sehen Gefahr durch den Bau einer Stromleitung auf das Dreiländereck, Arbeitsplätze beim ORF in Gefahr, etc.) durch persönlichen Einsatz bald beseitigt. Offizieller Sendestart von Radio Uno: 1. Jänner 1985. Evergreens, deutsche Schlager, aktuelle Popmusik, lockere Moderation prägten das Erscheinungsbild von Radio Uno. Eigenwillig, aber äußerst beliebt (passt in kein heute übliches Musikformat).
Radio Uno bzw. "Willi Weber" stand für: gute Musik, seriöser verlässlicher Werbepartner, zäher Verhandler bei Behörden, gefürchtet bei Reichweitenumfragen, einziger politisch unabhängiger Sender.
Der staatliche österreichische Rundfunk bzw. das Landesstudio Kärnten passte sich der Situation schnell an und kopierte die wichtigsten Erfolgskomponenten. Durchgehender Sendebetrieb, Gratis-Wunschsendungen, Änderung des musikalischen Erscheinungsbildes, etc. Live-Übertragungen von Sportveranstaltungen, im besonderen Eishockey-Live konnten wegen technisch besserer Ausstattung und ungleich höheren Budgetmitteln besser umgesetzt werden.
Ein weiteres, von den Hörern sehr gut angenommenes, Standbein wurde geschaffen: Radio Uno 2 mit volkstümlicher Musik und Live-Gästen im Studio. Die Werbezeiten wurden durchgeschalten.
Auch für Printmedien war Radio Uno eine ernstzunehmende Konkurrenz am Werbemarkt. Keine Veröffentlichung von Werbeinseraten oder Programmhinweisen war die Folge.
Rechtlich hatten die österreichischen Behörden - und auch der ORF - gegen Radio Uno keine Handhabe. Schikanen, Intrigen, Falschmeldungen über Frequenzstörungen, unrichtige Zeitungsartikel standen an der Tagesordnung. Die italienischen Behörden verhielten sich verhältnismäßig ruhig und im Vergleich zu österreichische Behörden erstaunlich korrekt.
Als sich Mitte der 90-ziger Jahre der Fall des österreichischen Monopols abzeichnete, wurde eine "österreichische" Lizenz angestrebt. Endlich anerkannt sein als heimisches Werbeunternehmen, eine eigene Frequenz ohne störende Sender, eine geregelte kalkulierbare Abgabensituation, keine Doppelbesteuerung, etc. Das waren die Überlegungen, die FÜR eine österreichische Sendelizenz sprachen. Medien und Politik waren lt. Rundfunkgesetz ursprünglich vom Radiobetrieb oder auch von Beteiligungen an Radiosendern ausgeschlossen.
Der verunglückte Sendestart von Radio Wörthersee war am 1. August 2005. Es wurde eine Sendefrequenz zugeteilt, die bereits durch einen italienischen Sender belegt war und erst nach 2 Monaten massiven Interventionen in Wien und Rom frei wurde.
Die anfängliche Begeisterung wurde schnell zur enttäuschenden Wirklichkeit.
Störungsanfällige Sendefrequenzen, Schikanen, unüberlegte Standortvergabe, nicht zuständige bzw. machtlose Behörden, wirtschaftlich existenzgefährdende Abgabenflut (20 %-ige Werbeabgabe, unverhandelbare hohe Mindest-Fixabgaben für LSG, AKM, austro mechana, etc.) machten eine realistische Planung unmöglich.
Der kleine Kärntner Werbemarkt mit 520.000 Einwohnern war bald heiß, vor allem aber unfair, umkämpft. Verfälschte Umfrageergebnisse und zunehmender politischer Einfluss ließen Idealisten, also echten Radiomachern keinen Freiraum. Durch die hohen Belastungen wird Radiomachen für Pioniere bald zur Existenzfrage.
Entgegen der ursprünglichen Rechtssituation ist RADIO heute ein politisches Machtinstrument, Spielball der Printmedien, oder auch nur steuerlicher Abschreibposten für große internationale Konzerne.
Heute ist Willi Weber stolz darauf, ein Radiomacher der 1. Stunde gewesen zu sein, und auch darauf, dass er mit einen "kleinen" italienischen Musiksendern die Kärntner Wirtschaft speziell die Klein- und Mittelbetriebe, 2 Jahrzehnte lang mit erschwinglichen Werbepreisen zu wirtschaftlichen Erfolgen führte und entscheidend mitgeprägte.
